Nachruf - Pfahlbauforscher Johann Offenberger

Der Vater der modernen Pfahlbauforschung in Österreich, Regierungsrat a.D. Johann Offenberger (82) ist am 23.7. 2017 in Wien gestorben.

Johann Offenberger war durch Jahrzehnte mit Mondsee und dem Heimatbund Mondseeland durch seine wissenschaftliche Arbeit eng verbunden. Mit seiner Unterwasserforschung in den Pfahlbauten und den archäologischen Arbeiten im Bereich des ehemaligen Benediktinerklosters Mondsee und in der Basilika St. Michael hat er viel zur Aufhellung der Geschichte dieser kulturträchtigen Region beigetragen.

Die ersten Pfahlbauforschungen im Mondseeland begannen schon im 19. Jahrhundert und wurden unter der Leitung von Dr. Walter Kunze anfang der 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts fortgesetzt. Diese Arbeiten waren in erster Linie Bergungen von Funden aus der Kulturschicht unter Wasser. Die wertvollen prähistorischen Siedlungsstätten wurden leider auch von Sporttauchern zunehmend entdeckt und damit in ihrem Bestand gefährdet.

So wurde im Jahr 1969 Johann Offenberger, der seit seiner Jugend eine Vorliebe für das Tauchen hatte und als archäologischer Grabungstechniker beim  Bundesdenkmalamt angestellt war von Frau HR Dr. G. Mossler aufgefordert „etwas zu unternehmen“. Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand der Beteiligten wohin die Reise gehen sollte.

In Anlehnung an ausländische Beispiele begann man die systematische Absuche der heimischen See nach Spuren von Siedlungsplätzen die heute unter Wasser liegen. Man entwickelte ein System mit Tauchern die gefundenen Plätze genau zu vermessen. Die nötige Zahl von Tauchern gewann Hans Offenberger bei Tauchclubs die sich in den Dienst der Sache stellten. Er selber hatte sich schon in frühester Jugend an der Taucherlegende Hans Hass orientiert und jetzt seine Sporttaucherambitionen zu einem Teil seines Berufes machen können. Einen breiten Raum der Arbeit nahm ab jetzt auch die enge Zusammenarbeit mit den verschiedensten Wissenschaftlichen Disziplinen ein. Eines der Institute war natürlich die „Limnologie“ die in dieser Zeit die Arbeit in Mondsee aufnahm.

So konnte bei der OÖ Landesausstellung 1981 zum Thema „Mondsee“ von Hans Offenberger in den ehemaligen Klosterräumen eine große Pfahlbauabteilung mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen eingerichtet werden. Als „Österreichisches Pfahlbaumuseum“ ist sie heute noch ein Teil der Mondseer Museumslandschaft.

Leider wurde die österreichische Pfahlbauforschung durch das Bundesdenkmalamt nach 25 Jahren eingestellt und muss seit der Erklärung von Pfahlbauten zum UNESCO Weltkulturerbe wieder neu gestartet werden.

Bei seinen archäologischen Arbeiten war Offenberger österreichweit nicht minder erfolgreich tätig. Mit viel Gespür und vor allem Fachkenntnis hat er an vielen bedeutenden Kulturstätten des Landes seinen Spaten angesetzt. Als Beispiele seien der Wiener Stephansdom, die alte Universität in Wien oder die Martinskirche in Linz genannt. Neu Erkenntnis die auch bis zum Umschreiben der Baugeschichte der Objekte führten waren die erfolgreichen Folgen.

Auch im Bereich des ehemaligen Klosters Mondsee konnte Offenberger in Zusammenarbeit mit dem Bauhistoriker Dr. Marian Farka bedeutende neue Erkenntnisse zur Geschichte Mondsees erarbeiten. Sie reichen vom Nachweis einer römischen Villa Rustca unter Teilen des alten Klosters, über die Besiedlung der folgenden Zeit bis zur Auffindung der Krypta der romanischen Klosterkirche. Auch interessante Einblicke in die Wirtschaftsgeschichte eines mittelalterlichen Klosters konnten ergraben werden. Auch diese Arbeiten mussten vorzeitig abgebrochen werden. Es wäre an der Zeit diese Arbeiten zu einem wissenschaftlich einwandfreien Abschluss zu bringen. Hans Offenberger wurde diese Möglichkeit nicht mehr gegeben.

Ein Forscherleben ist zu Ende gegangen. Die Ergebnisse seiner Arbeiten werden aber ein bleibender Teil der Forschungsgeschichte zur Österreichs Vergangenheit sein.

 

 


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