Kirchlicher Jahresfestkreis - Karwoche - Heiliges Grab

 

Heiliges Grab in der Basilika St. Michael, Mondsee 

Seit der Karwoche 2010 erstrahlt in der Petruskapelle der Basilika St. Michael in Mondsee wieder das Heilige Grab, das für viele Generationen der Pfarre Mondsee ein Inbegriff für die Vorbereitung auf das Osterfest war. Leider sind diese Gräber, wie vieles das den Gläubigen ans Herz gewachsen war, den Reformen der Osterliturgie schon durch Papst Pius XII zum Opfer gefallen. 

Schon in der Frühzeit des Christentums spielte die Stelle des Christusgrabes eine Rolle als Pilgerstätte. Kaiserin Helena, die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, lies schon um 326 Forschungen durchführen und Konstantin gab dann den Auftrag zum Bau der ersten Grabeskirche. Damit wurde mit diesem „sepulchrum sanctum“ dem kaiserlichen Wunsch entsprechend der Ort der Grabstätte Christi für jedermann erlebbar. Der im christlichen Europa weit verbreitete Wunsch, die Stätten des Herrn im Heiligen Land zu besuchen, wurden allerdings durch die Besetzung dieser Region durch die Muslime mehr und mehr behindert. Dies führte bekanntlich dann zu den folgenreichen Kreuzzügen, die sogar heute noch bei den aktuellen Katastrophen im Nahen Osten zumindest verbal instrumentalisiert werden.

Damit sich die Christen des Abendlandes eine beschwerliche und gefährliche Reise ins Heilige Land nicht antun mussten entstanden schon früh in Europa Nachbildungen des Christusgrabes. Als ältestes Beispiel eines solchen gilt das Grab in der Michaelskirche in Fulda das bereits 822 entstanden ist. Schon im 10. Jahrhundert werden Texte in die Liturgie eingebaut, die zu szenischen Darstellungen des Ostergeschehens führten. Im 14. Jahrhundert werden diese Spiele aus der Kirche verbannt und das geistliche Drama wandelte sich bis hin zum komödiantischen Theater, was der Kirche freilich missfiel. Damit begann die figürlich plastische Darstellung des heiligen Grabes mit dem Leichnam Jesu.

Ab der Mitte des 16.Jahrhunderts gibt es, konkret 1559 bei den Jesuiten in Prag und 1577 in München, erste Hinweise über das Aussetzen der verhüllten Monstranz in einem Heiligen Grab. Es waren Gerüstaufbauten  die mit Holz, Pappe und Leinwand in Form von theatralischen Kulissen auch auf engsten Raum perfekte Illusionen darstellen konnten. Zu einem der prächtigsten Heiligen Gräber, das auch heute wieder alle drei Jahre aufgestellt wird, gehört jenes in der ehemaligen Stiftskirche von Höglwörth im bayerischen Rupertigau. In einem alten Rechnungsbuch des Augustinerchorherrenstiftes von 1645 sind Rechnungen erhalten, die belegen, dass es damals schon ein solches Grab gegeben hat. Ausgerechnet der aus Mondsee gebürtige Propst Anian Köllerer (1762 - 1803) durfte seinem Salzburger Erzbischof gehorchend, nach 1782 das „Grabtheater….mit gefärbten Kugeln, Öllampen oder übermäßiger Kerzenzahl“ nicht mehr aufbauen lassen. 

Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Bürger der Pfarre Anger-Höglwörth das Grab wieder aus den Abstellräumen geholt um es nach rund 100 Jahren, dem 2.Vatikanischen Konzil folgend, ein weiteres Mal widerwillig ins Abseits räumen müssen. Wenige Jahre später kehrte es alle drei Jahre wieder in die Kirche zurück und zieht seither jedes Mal tausende Besucher, nicht nur wegen des Schauens, sondern auch zu tiefer Andacht und Gebet in die alte Stiftskirche am See. 

Nachdem auch in Mondsee das alte Heilige Grab den Neuerungen zum Opfer gefallen ist, wurden die erhaltenen Reste vom Kirchenpfleger Alois Ebner 2005 bei der Entrümpelung des Kirchendachboden wieder aufgefunden. Das alte Holzgerüst, teils in Form gestaffelter barocker Kulissen war beim letzten Abbau nach dem Verbot schon in einem Zustand, dass es entsorgt werden musste. Die noch erhaltenen bildlichen Darstellungen in Form von bunten Glasmosaiken in Art der Gablonzer Glasmanufaktur des 19. Jahrhunderts waren in sehr schlechtem Zustand erhalten. 

Diese Glasbilder wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts von der Firma Zbitek in Neustift bei Olmütz in Mähren erzeugt. Diese Darstellungen ersetzten auf Holz gemalte Darstellungen. Die Glasbilder wurden ursprünglich von hinten mit Öllampen, Gläser mit Öl und Docht, beleuchtet. Noch bis ins vorige Jahrhundert musste der Mesner auch während der Gebetsstunden mit einer Ölkanne immer dafür sorgen, dass die Lichter nicht ausgingen. Das gleiche galt für die mit färbigem Wasser gefüllten „Grabkugeln“, die auch mit Öllampen beleuchtet wurden und durch das Flackern der Flammen einen besonders mystischen Eindruck im total verdunkelten Raum verbreiteten.

Die Glasmosaike, ein Kreuz, zwei Grabwächter und zwei Blumenvasen und die Bundeslade konnten vom Bundesdenkmalamt wieder restauriert werden. Die Holzaufbauten wurden in Anlehnung an die frühere Gestaltung rekonstruiert. Auch einige alte Glaskugeln konnten noch gefunden werden. Sie dienten als Muster, dass sie in der Glasmanufaktur von Poschinger in Frauenau im Bayerischen Wald neu gemacht werden konnten. Die Beleuchtung des wieder hergestellten Heiligen Grabes von Mondsee erfolgt nun mit elektrischen Lampen.

Die Figur des Leichnams Jesu, sie liegt unter dem Petrusaltar, war auch in der Zeit des einfachen Grabes in Verwendung.

Mit Blumen und Kerzen geschmückt, ist das alte neue Heilige Grab in den Kartagen wieder ein Ort der besonderen Andacht und des Gebetes auch wenn die triumphalen Auferstehungsfeiern am Karsamstag nur mehr in den Erinnerungen der älteren Pfarrangehörigen existieren.

  

Konsulent Herbert Riesner

 

Quellen: 

Sein Grab wird herrlich sein, Rosi und Hans Fürmann, Ostern 2013 

Das Heilige Grab der Basilika St. Michael Mondsee, Dr. Ernst Wageneder, Dr. Leopoldine Swoboda, 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kirchlicher Jahresfestkreis – Karwoche – Heiliges Grab

 

 

 

Seit der Karwoche 2010 erstrahlt in der Petruskapelle der Basilika St. Michael in Mondsee wieder das Heilige Grab, das für viele Generationen der Pfarre Mondsee ein Inbegriff für die Vorbereitung auf das Osterfest war. Leider sind diese Gräber, wie vieles das den Gläubigen ans Herz gewachsen war, den Reformen der Osterliturgie zum Opfer gefallen.

 

Schon in der Frühzeit des Christentums spielte die Stelle des Christusgrabes eine Rolle als Pilgerstätte. Kaiserin Helena, die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, lies schon um 326 Forschungen durchführen und Konstantin gab dann den Auftrag zum Bau der ersten Grabeskirche. Damit wurde mit diesem „sepulchrum sanctum“ dem kaiserlichen Wunsch entsprechend der Ort der Grabstätte Christi für jedermann erlebbar. Der im christlichen Europa weit verbreitete Wunsch, die Stätten des Herrn im Heiligen Land zu besuchen, wurden allerdings durch die Besetzung dieser Region durch die Muslime mehr und mehr behindert. Dies führte bekanntlich dann zu den folgenreichen Kreuzzügen, die sogar heute noch bei den aktuellen Katastrophen im Nahen Osten zumindest verbal instrumentalisiert werden.

 

Damit sich die Christen des Abendlandes eine beschwerliche und gefährliche Reise ins Heilige Land nicht antun mussten entstanden schon früh in Europa Nachbildungen des Christusgrabes. Als ältestes Beispiel eines solchen gilt das Grab in der Michaelskirche in Fulda das bereits 822 entstanden ist. Schon im 10. Jahrhundert werden Texte in die Liturgie eingebaut, die zu szenischen Darstellungen des Ostergeschehens führten. Im 14. Jahrhundert werden diese Spiele aus der Kirche verbannt und das geistliche Drama wandelte sich bis hin zum komödiantischen Theater, was der Kirche freilich missfiel. Damit begann die figürlich plastische Darstellung des heiligen Grabes mit dem Leichnam Jesu.

 

Ab der Mitte des 16.Jahrhunderts gibt es, konkret 1559 bei den Jesuiten in Prag und 1577 in München, erste Hinweise über das Aussetzen der verhüllten Monstranz in einem Heiligen Grab. Es waren Gerüstaufbauten  die mit Holz, Pappe und Leinwand in Form von theatralischen Kulissen auch auf engsten Raum perfekte Illusionen darstellen konnten. Zu einem der prächtigsten Heiligen Gräber, das auch heute wieder alle drei Jahre aufgestellt wird, gehört jenes in der ehemaligen Stiftskirche von Höglwörth im bayerischen Rupertigau. In einem alten Rechnungsbuch des Augustinerchorherrenstiftes von 1645 sind Rechnungen erhalten, die belegen, dass es damals schon ein solches Grab gegeben hat. Ausgerechnet der aus Mondsee gebürtige Propst Anian Köllerer (1762 - 1803) durfte seinem Salzburger Erzbischof gehorchend, nach 1782 das „Grabtheater….mit gefärbten Kugeln, Öllampen oder übermäßiger Kerzenzahl“ nicht mehr aufbauen lassen.

 

Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Bürger der Pfarre Anger-Höglwörth das Grab wieder aus den Abstellräumen geholt um es nach rund 100 Jahren, dem 2.Vatikanischen Konzil folgend, ein weiteres Mal widerwillig ins Abseits räumen müssen. Wenige Jahre später kehrte es alle drei Jahre wieder in die Kirche zurück und zieht seither jedes Mal tausende Besucher, nicht nur wegen des Schauens, sondern auch zu tiefer Andacht und Gebet in die alte Stiftskirche am See.

 

Nachdem auch in Mondsee das alte Heilige Grab den Neuerungen zum Opfer gefallen ist, wurden die erhaltenen Reste vom Kirchenpfleger Alois Ebner 2005 bei der Entrümpelung des Kirchendachboden wieder aufgefunden. Das alte Holzgerüst, teils in Form gestaffelter barocker Kulissen war beim letzten Abbau nach dem Verbot schon in einem Zustand, dass es entsorgt werden musste. Die noch erhaltenen bildlichen Darstellungen in Form von bunten Glasmosaiken in Art der Gablonzer Glasmanufaktur des 19. Jahrhunderts waren in sehr schlechtem Zustand erhalten.

 

Diese Glasbilder wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts von der Firma Zbitek in Neustift bei Olmütz in Mähren erzeugt. Diese Darstellungen ersetzten auf Holz gemalte Darstellungen. Die Glasbilder wurden ursprünglich von hinten mit Öllampen, Gläser mit Öl und Docht, beleuchtet. Noch bis ins vorige Jahrhundert musste der Mesner auch während der Gebetsstunden mit einer Ölkanne immer dafür sorgen, dass die Lichter nicht ausgingen. Das gleiche galt für die mit färbigem Wasser gefüllten „Grabkugeln“, die auch mit Öllampen beleuchtet wurden und durch das Flackern der Flammen einen besonders mystischen Eindruck im total verdunkelten Raum verbreiteten.

 

Die Glasmosaike, ein Kreuz, zwei Grabwächter und zwei Blumenvasen und die Bundeslade konnten vom Bundesdenkmalamt wieder restauriert werden. Die Holzaufbauten wurden in Anlehnung an die frühere Gestaltung rekonstruiert. Auch einige alte Glaskugeln konnten noch gefunden werden. Sie dienten als Muster, dass sie in der Glasmanufaktur von Poschinger in Frauenau im Bayerischen Wald neu gemacht werden konnten. Die Beleuchtung des wieder hergestellten Heiligen Grabes von Mondsee erfolgt nun mit elektrischen Lampen.

 

Die Figur des Leichnams Jesu, sie liegt unter dem Petrusaltar, war auch in der Zeit des einfachen Grabes in Verwendung.

 

Mit Blumen und Kerzen geschmückt, ist das alte neue Heilige Grab in den Kartagen wieder ein Ort der besonderen Andacht und des Gebetes auch wenn die triumphalen Auferstehungsfeiern am Karsamstag nur mehr in den Erinnerungen der älteren Pfarrangehörigen existieren.

 

 

 

Konsulent Herbert Riesner

 

Quellen:

 

Sein Grab wird herrlich sein, Rosi und Hans Fürmann, Ostern 2013

 

Das Heilige Grab der Basilika St. Michael Mondsee, Dr. Ernst Wageneder, Dr. Leopoldine Swoboda, 2011

 

 

 

 


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