Mondseer Jedermann - eine hundertjährige Laienspiel-Geschichte

 

Rückblickend auf die beinahe 1.300-jährige Geschichte Mondsees nimmt sich die „Lebenszeit“ des „Mondseer Jedermann“ wie eine Sternschnuppe am Firmament aus. Und doch gehören dieser nun fast 100 Jahre, am 05.06.1922 fand die Premiere des „Mondseer Jedermann“ statt, schon zur Geschichte des Ortes. Mondsee war von jeher eine Stätte kultureller Betätigung. Diese begann bereits bei den prähistorischen Pfahlbauten und wurde später in einer hochstehenden Klosterkultur fortgeführt.

 

Wie zahlreiche Funde aus dem See beweisen, wurden bereits vor ca. 5000 Jahren reich verzierte Keramikgefäße hergestellt. Dieser Zeitabschnitt fand als Mondsee-Kultur Eingang in die Geschichtsbücher.

Ein absoluter Höhepunkt  ist sicherlich die Klosterkultur. 748 n. Chr wurde das Kloster vom bayrischen Herzog Odilo  gegründet. Bereits in der Frühzeit des Klosters (um 800 n. Chr.), das bis zur Säkularisierung unter Kaiser Leopold II 1791 bestanden hat, war die Mondseer Schreibschule weit über die Grenzen hinaus bekannt. Die zwei wohl bekanntesten Werke, die aus dieser klösterlichen Schreibschule stammen, sind der Mondseer Matthäus (ein Stück aus der Bibel) und der Psalter von Montpellier, der sich in Frankreich befindet.

Im Mittelalter war das Theater eng mit der Musik verbunden, und beides wiederum gehörte zu einem regen Klosterleben. In den Klöstern, so auch in Mondsee, wurden zu den hohen Festen (vor allem Weihnachten und Ostern) geistliche Stücke aufgeführt. Ein solches Osterspiel aus Mondsee sowie ein „Susanna-Spiel“, das ein Mondseer Mönch aufgeschrieben hat (um 1500 n. Chr.) ist in der Österreichischen Nationalbibliothek erhalten. Prof. Josef Gregor berichtet davon in seinem Werk: „Das österreichische Theater“.

Bereits im 19. Jahrhundert gab es in Mondsee eine Laienspielgruppe, die vom Gesangsverein getragen wurde, und die vor allem Singspiele zur Aufführung brachte. Eine Heimatbühne gastierte bereits damals, mit gutem Erfolg sogar in Kassel, Deutschland. 

Vor dem Ersten Weltkrieg (1914) besaß Mondsee ein eigenes Sommertheater. Dafür wurde 1894 im Garten des „Posthofs, der damals der Brauerei Henndorf gehörte, ein Gebäude errichtet. 1919 wurde der Bau wieder abgerissen. Unter dem damaligen Obmann Schmidjell wurde unter anderen das Sprechstück „Im weißen Rößl“ (nach dem später die Operette entstand) bei der Schiffsanlegestelle mit echter Ankunft des „Kaiser Franz Josef“ (ANMERKUNG: mit dem Dampfer „Helene“ - heutiger Name) im Freien vor dem „Grill-room“ (ANMERKUNG: heute „Seecafe“) aufgeführt.

„Im Spätherbst 1921 spielte der Mondseer Theaterverein im Hotel Krone den „Heiligen Florian“. Die gediegene Darstellung veranlasste mich, den Leiter des Theatervereins, Herrn Glasermeister Weiss, den Vorschlag zu machen, im Interesse des Fremdenverkehrs in der Saison 1922 den Dialekt-Jedermann von Franz Löser auf einer Freilichtbühne im Karlsgarten zu spielen“, schreibt Karl Stuchl , seines Zeichens Fremdenverkehrsobmann in Mondsee, in seinen Erinnerungen (17.07.1959). Stuchl hatte die Rechte an der Dialektfassung vom Autor Franz Löser persönlich erworben.

Anfang November 1921 wurde in den Kanzleiräumen des Schifffahrtsunternehmens Baum in Mondsee das „Jedermannspiel-Komitee“ gegründet. Mitglieder waren:  

  • Robert Baum (Verschönerungsverein, Geschäftsführer)

  • Kaufmann Engelhart (Feuerwehr Mondsee, Kassenbetreuung und Platzbetreuer)

  • Glasermeister Martin Weiss (Spielleiter, Rollenbesetzung) 

  • Direktor Max Siehss (Gesangsverein Mondsee – Chöre),

  • Uhrmachermeister Ludwig Kölbl (Musik) und

  • Industrie-Archivar Karl Stuchl (Reklame und Propaganda).  

Der große Erfolg, den der „Jedermann“ in seinem langjährigen Bestehen feiern durfte und noch immer feiern darf, ist zu einem gewissen Grad sicher der Tatsache geschuldet, dass sich der in Innerschwand ansässige Königlich Württembergische Hofschauspieler a.D., Josef Bunk, über Bitte der Spielgemeinschaft in diese einbrachte und seine Fachkenntnisse zur Verfügung stellte. Josef Bunk selbst schrieb dazu in der Programm-Festschrift der Mondseer Festspiele aus dem Jahr 1924:  

„Der bekannte Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen wäre hier bald zum Ereignis geworden.

Mein künstlerisches Gewissen regte sich. Ohne zu überlegen, welche Verantwortung und welche Arbeitslast ich damit auf mich nahm, sprang ich ein und ließ mir die Zügel in die Hand drücken. Der verfluchte Theaterteufel hatte mich wieder. Neid, Strebertum und falscher Ehrgeiz, die drei unzertrennlichen Begleiter allen Theaterwesens, zeigten bald ihre Krallen. Aber die schöne reine Begeisterung, die alle Kreise Mondsees ergriff, hielt die bösen Gesellen in Schach.

So kam eine würdige Aufführung zustande, den Mondseern zu Ehr‚ und den Fremden zur Freude und zur Erbauung“.

Zu Beginn gab es natürlich keine Zuschüsse von öffentlicher Hand. Der Karlsgarten wurde von Graf Otto von Almeida zur Verfügung gestellt.

Dazu Karl Stuchl in seinen Erinnerungen (17. Juli 1959):

„Ich ersuchte den Salzburger Landeskonservator, den heute noch in Salzburg lebenden Herrn Hofrat Architekt Hütter, einen Entwurf für eine Bühne zu machen, denselben zur Einreichung beim Landesdenkmalamt in Linz zu empfehlen. Herr Direktor Lindenthaler, welcher mit dem Landeskonservator in Linz in Verbindung stand, übernahm es, die Bewilligung zu beschaffen. Ende Oktober1921 traf die Bewilligung in Mondsee ein.  

Den Bühnenbau übernahmen die Herren Baumeister Pölz und Prankl, die Erstellung und Betreuung der Beleuchtungsanlage Herr Dornhofer. Das Holz für die Bühne lieferten die Sägewerke Stabauer, Almeida, Hollerweger und Teufelmühle. Alle Leistungen wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.“

Der Hauptprotagonist der Mondseer Festspiele, Josef Bunk, äußerte sich dazu in euphorischen Worten und war in seiner Begeisterung kaum zu bremsen. Programm-Festschrift der Mondsee Festspiele von 192):

  „ ....... Steht uns doch ein Schauplatz zur Verfügung, wie er idealer und stimmungsvoller nicht mehr gedacht werden kann. Herr Graf von Almeida, der unsere Bestrebungen in jeder Weise fördert und auf jede Bitte nur ein „Ja“ kennt, hat uns den herrlichen Karlsgarten zur Verfügung gestellt. Ein stiller Garten mit alten Baumbeständen wird durch eine hohe Steinmauer in einen unteren und einen oberen Teil getrennt. Eine Freitreppe, die einen Barockbrunnen umklammert, verbindet beide Hälften. Auf dem erhöhten Teil wölben Kastanienbäume ihr grünes Dach zu einem Dom und gewähren einen Durchblick auf die alte Mondseer Pfarrkirche im Hintergrund. An die Steinmauer schmiegt sich die Bühne, von der wiederum eine Freitreppe nach dem erhöhten Gartenteil führt und es ermöglicht, dass auch der obere Garten zum Spiel herangezogen werden kann. Eine kleine Seitentreppe führt zu einem in bäuerlichem Stil gehaltenen Häuschen, das das Bühnenbild vervollständigt. Ohne das Einheitliche des Schauplatzes zu stören, wird dadurch eine Gliederung erreicht, die dem Spielleiter große Möglichkeiten bietet.

Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Mondseer zur Einsicht kommen werden, welch` köstliches Juwel sie an dieser Bühne besitzen. Aber sie ist schließlich nur der Rahmen, der sich um das Gemälde, das Spiel selbst, legt.“

 Und so begann die 100-jährige Laienspiel-Geschichte des „Mondseer Jedermann“.

 

 

 

 

 

 


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